Licht aus, Spot an! – Die Quinoa Musical-Aufführung am 26. Januar 2017

von Franziska Hülß (Kommentare: 0)

 
 
Zwei Stunden noch, dann geht es los. Kaum ein Anzeichen davon, dass hier heute ein einstündiges Musical stattfindet, zu dem mehr als 150 Gäste erwartet werden. Die letzten Proben laufen noch, Jungen und Mädchen laufen aufgeregt durcheinander. Lediglich Regisseur Todd Fletcher im Anzug lässt vermuten, dass alle heute noch mehr vorhaben. Sechs Wochen lang hat er mit den drei Klassen der Quinoa-Schule geprobt. Am Anfang gab es nichts, nur eine Idee: ein Musical mit selbst geschriebenen Songs. Sehr ambitioniert. Der erfahrene Musical-Regisseur und -Komponist will die Jugendlichen fordern und ihre Potenziale wecken. Einige steigen mittendrin aus, haben keine Lust mehr oder mit anderen Problemen zu kämpfen. Andere sind mit Herzblut dabei und proben bis weit nach Schulschluss. Am Ende scheint Todd Fletchers Konzept einer Mischung zwischen Einzel- und Gruppenarbeit aufzugehen.
 
Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn regt sich langsam etwas. Stühle und Bänke werden gerückt, Gläser poliert und das Buffet aufgebaut. Das ganze Quinoa-Team packt heute Abend mit an und hilft tatkräftig hinter den Kulissen. Die Proben laufen immer noch. Die Schüler*innen gehen die letzten Abläufe durch und singen die Songs, die sie teilweise selbst erarbeitet haben, zum hundertsten Mal. Das Lampenfieber steigt sichtlich. Dann kommen die ersten Gäste.
 
Auf einmal bewegt sich eine Menschentraube Richtung Toiletten – ein Ort, wo die Schüler*innen sich gern aufhalten, vor allem um zu reden und zu diskutieren. Aber diesmal geht es darum zu trösten. Darum, Max* aus der Siebten Mut zuzusprechen, denn er hat Angst, will nicht mehr auf die Bühne. Dabei hat er eine der Hauptrollen im Stück. Eine Lehrerin kümmert sich darum, die Situation aufzulösen. Lediglich Felix* aus der Achten darf bleiben. Er versucht, den Schüler aufzubauen: „Wir schaffen das. Glaub mir. Atme tief durch, das wird super.“ Felix ist eigentlich einer, der oft stört im Unterricht, sich nicht konzentrieren kann und den Lehrer*innen auch mal Kopfzerbrechen bereitet. Aber heute ist er wie ausgewechselt. Im Laufe der Proben konnte er eine der Hauptrollen ergattern. Er hatte viele Ideen, war oft konzentriert dabei und hat sich die Rolle verdient.
 
Endlich sitzen alle. Licht aus – Spot an. Das Musical dreht sich um eine „Teenage Lovestory“: Bewunderung, Eifersucht, Probleme zwischen Geschwistern und echte Freundschaft – alles, was die Jugendlichen beschäftigt, haben sie in eine Geschichte gepackt. Das Publikum fiebert mit. Die Schüler*innen wollten ein „Happy End“ für ihr Stück. „Eines müsst ihr wissen. Zusammen seid ihr … zusammen sind WIR unschlagbar!“ Das Stück endet mit dem Song „Einer für alle und alle für einen“. Nach 40 Minuten ist der erste Teil der Aufführung geschafft. Alles hat geklappt, Max* hat sich schließlich doch noch auf die Bühne getraut. Jetzt folgen die Songs der neunten Klasse. Den Mix aus Popsongs, klassischen und selbstgeschriebenen Liedern haben die Schüler*innen zusammen mit Fletcher ausgesucht. „Als ich ihnen ‚Ode an die Freude‘ vorgespielt habe, fanden sie es gar nicht so übel“, erzählt Todd Fletcher am Ende dem Publikum. Das Stück kam schließlich zur Aufführung. Den Titel „Glücklich sein“ haben Vincent* aus der Neunten und Todd Fletcher zusammen geschrieben, er geht sofort ins Ohr: „Ich werde dir helfen, in guten wie in schlechten Zeiten. Ich werde immer für dich da sein, auch wenn wir uns streiten.“ Nicht nur dieser Song dreht sich um die Schulwerte Mut, Achtsamkeit und Verbindlichkeit. Die Schulwerte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Lieder. Auch das Stück „Ich will schlafen“ kommt gut an und gibt sehr authentisch einen Einblick in die Gefühlswelt der Jugendlichen.
 
Heute Abend sind jedoch alle hellwach. Zum Abschluss singen sie gemeinsam Todd Fletchers Song „Together“ und werden am Ende mit tosendem Applaus belohnt. Man sieht die stolzen Gesichter der Eltern im Publikum. Und auch strahlende, erleichterte Gesichter der Schüler*innen auf der Bühne. Zusammen haben sie in sechs Wochen etwas auf die Beine gestellt, was zu Anfang eine große Herausforderung war: ein Musical einstudieren, mehrere Songs komponieren und proben und das Ganze mit 78 Schüler*innen im laufenden Schulbetrieb. Aber so ist das bei Quinoa: Mut, Achtsamkeit und Verbindlichkeit verhelfen dazu, Grenzen zu überwinden!
 
 
*Die Namen der Schülerinnen wurden geändert.

Zurück

Einen Kommentar schreiben