"Schulen können heutige Herausforderungen nicht alleine bewältigen, die Gesellschaft muss mitziehen!"

von Redakteur (Kommentare: 0)

Unser Schulleiter, Pantelis Pavlakidis, wurde von der Bundeskanzlerin, Angela Merkel, zu einem Gespräch zum Thema schulische Integration eingeladen. Teilgenommen haben auch noch 49 andere Lehrkräfte sowie der hessische Kultusminister, die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, der derzeitige Präsident der Kultusministerkonferenz der Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Wie das Gespräch war, und was genau besprochen wurde, erzählt Pantelis Pavlakidis im Interview:

Wie war denn das Treffen zu schulischer Integration mit Angela Merkel, ausgewählten Politikern und 49 anderen Lehrer*innen?

Das Gespräch war sehr angenehm und ich bin sehr froh, dabei gewesen zu sein. Einige spezifische Dinge von anderen Teilnehmenden konnten beim hessischen Kultusminister, Alexander Lorz, oder der Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, gleich platziert werden.

Mir war es wichtig, die gesellschaftliche Perspektive in die Diskussion einzubringen. Denn Schulen können heutige Herausforderungen nicht alleine bewältigen, die Gesellschaft muss mitziehen. Ein Beispiel: ein Baustein unseres besonderen Schulkonzeptes ist das Fach Interkulturelles Lernen (IKL). Als Schule im Wedding haben wir einen hohen Anteil von Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Wir unterstützen in IKL die Identitätsbildung unserer Jugendlichen, denn die verschiedenen Herkünfte sind ein Vorteil, kein Nachteil. Dazu gehen wir auch viel raus und besuchen außerschulische Lernorte, wie zum Beispiel Museen, oder wir gehen auf Klassenfahrten. Eine Hand voll Menschen begegnet uns wohlgesonnen, viele aber eher unfreundlich. Was soll ich meinen Schüler*innen nach dem Ausflug am nächsten Tag dann in der Klasse sagen? Ich komme in Erklärungsnot, denn die Werte, die wir unseren Jugendlichen beibringen - Mut, Achtsamkeit, Verbindlichkeit - sind oft nicht die, die ihnen draußen begegnen. Die Schule ist kein isolierter Kosmos, sondern findet in gesellschaftlichen Zusammenhängen statt. Integration bzw. Teilhabe können wir nicht alleine schaffen. Man muss Begegnungen schaffen und vor allen Dingen Segregation verhindern. Das wird leider mit steigenden Mieten nicht besser, dadurch entstehen noch mehr Brennpunkte und Isolation. Dagegen müssen wir was tun!

Was wird nach dem Termin mit Frau Merkel passieren, gibt es einen Fahrplan?

Einiges wurde von Frau Merkel und ihren Kolleg*innen mitgenommen. Frau Merkel fragte auch, ob dieser Termin für uns als Lehrkräfte sinnvoll ist. Die Antwort ist ja. Ein solcher Termin wird daher im nächsten Jahr nochmal stattfinden, in welcher Konstellation wird man dann sehen.

Was war die wichtigste Erkenntnis für das Plenum?

Bildung kann einen Teil zur Teilhabe beitragen. Dazu müssen Finanzmittel in den Ausbau von miteinander verzahnten Bildungsketten gegeben werden. Es bedarf einer engen Betreuung, schon vom frühkindlichen Alter an, über den Kindergarten bis hin zur weiterführenden Schule. Außerdem sind engere Kooperationen mit außerschulischen Partner*innen, wie z.B. Jugendämter, notwendig. Dies gestaltet sich derzeit insbesondere wegen des Personal- und Fachkräftemangels schwierig. Hier besteht Handlungsbedarf!

Vielen Dank für das Gespräch!

Gruppenfoto Gespräch mit Angela Merkel am 5.9.2018

Foto: Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

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